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                       Foto: Marko König

 

 

Verbreitung und Bestand

 

Der Rotmilan ist fast ausschließlich in Europa beheimatet. Sein Vorkommen reicht im Norden bis nach Schottland und Südschweden, im Mitteleergebiet findet man Brutpaare in Sizilien, Sardinien, Süditalien, Korsika und den Balearen. Auch in Portugal und Spanien sind in weiten Teilen Rotmilane zu finden. Im Osten Europas sowie im Baltikum ist die Verbreitung, bis auf Polen, nur lückenhaft (AEBISCHER 2009).

 

Über die Hälfte (ca. 60%) der Rotmilanpopulation ist in Deutschland zu finden.  Der aktuelle Trend verläuft für Deutschland, wie für die Länder Frankreich und Spanien, in denen die nächst höchsten Populationen zu finden sind, gleichbleibend bis negativ. Der Weltbestand wird derzeit auf ca. 20.000 bis 25.000 BP geschätzt. (AEBISCHER 2009). In der Roten Liste (IUCN) befindet sich der Rotmilan auf der Vorwarnliste (near threatened).

In Deutschland wird der Bestand auf ca. 10.000 bis 12.500 Brutpaare geschätzt (MAMMEN 2009).

 

Eine starke Abnahme des Rotmilanbestandes gab es ab der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Bis 1990 gab es dann aufgrund des Verbotes der Greifvogeljagd wieder eine Zunahme des Bestandes und der Bruterfolg war dementsprechend hoch. Erst mit der Wiedervereinigung und der damit zusammenhängenden Veränderung in der Landwirtschaft gingen die Bestandszahlen vor allem in Ostdeutschland erheblich zurück. Besonders im Verbreitungszentrum, im nordöstlichen Harzvorland in Sachsen- Anhalt war eine Abnahme von 50 % zu verzeichnen (MAMMEN et al. 2006). Dennoch wird hier immer noch die höchste Dichte in ganz Deutschland erreicht. Seit dem Rückgang der Art hat sich der Bestand in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2008 ungefähr konstant gehalten (AEBISCHER 2009).

 

Momentan befindet sich der Rotmilan im Status 1 (regelmäßig, d.h. in mindestens drei aufeinander folgenden Jahren, und ohne Zutun des Menschen in Deutschland brütend), ist mäßig häufig und der Bestand gleich bleibend bis abnehmend und es besteht zudem das Risiko dramatische aktuelle Bestandseinbußen zu geben (BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ 2009).

 

Niedersachsen liegt am nordwestlichen Rand des Gesamtverbreitungsgebietes und hat nach Erfassungen im Jahre 2006 einen Bestand von ca. 900 Brutpaaren. Dies entspricht einem Rückgang von 15 % zum Erhebungsjahr 2000. Niedersachsen umfasst  einen Anteil von ca. 8 % des Gesamtbestandes in  Deutschland (KLEIN et al. 2006). Vor allem die südöstliche Landeshälfte von Niedersachsen weist hier hohe Zahlen von Rotmilanbrutpaaren auf.

 

Lebensraum und Nahrung

 

Der Rotmilan ist ein typischer Offenlandvogel, der sich vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit hoher Heterogenität aufhält. Als Nahrungsopportunist sucht er Flächen mit niedriger Vegetation, Seen, Feuchtgebiete, Ortschaften und auch Müllhalden nach potentieller Beute ab. Diese Beute stellen Kleinsäuger bis zur Größe von Junghasen, Vögel (v.a. Singvögel), Reptilien, Amphibien, Fische aber auch Insekten und Regenwürmer dar. Er ist bekannt dafür gern Aas, z.B. von Straßen oder auch Hausabfälle aus Ortschaften aufzunehmen. Es werden vom Rotmilan jeweils die für ihn verfügbaren Nahrungshabitate genutzt, so dass es regional starke Unterschiede in der Nahrungszusammensetzung geben kann.  

 

Untersuchungen zum Beutespektrum fanden vor allem im Hakel (WUTTKY 1963 u. 1968, TRAUE & WUTTKY 1966, STUBBE et al. 1991, MAMMEN & STUBBE 1995, WEBER & STUBBE 2000), aber auch im Biosphärenreservat Rhön (HILLE 1995), in Landkreis Gießen/Hessen (SCHEVE 1998) und in Sachsen und Südbrandenburg (NACHTIGALL 2008) statt. Außerhalb Deutschlands wurde der Rotmilan und dessen Nahrungsökologie vor allem in Großbritannien (CARTER 2001), in Wales (CROSS & DAVIS 2005, DAVIS et al. 2001) und auf Korsika (MOUGEOT & BRETAGNOLLE 2006) erforscht. NACHTIGALL (2008) ermittelte in seiner Untersuchung in Sachsen und Südbrandenburg vor allem Vögel und Haustierreste als Nahrung, aber auch Fische, Säuger, Kleinsäuger und Lurche/Kriechtiere. In 100 Prozent der untersuchten Gewölle fand HILLE (1995) ihn ihrer Untersuchung im Biosphärenreservat Rhön Säugetierarten. Vögel nahmen erst im Laufe des Sommers von 40% auf 80% zu.  Unter den Säugern waren vor allem Wühlmäuse (Microtus arvalis, Arvicola terrestris), juvenile und adulte Hasen (Lepus europaeus), Maulwürfe (Talpa europaea), Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Igel (Erinaceus europaeus), Dachs (Meles meles), Reh (Capreolus capreolus) und Wildschwein (Sus scrofa). Die größeren Arten dürften als Aas aufgenommen worden sein. Bei den Vögeln handelte es sich vor allem um Drosseln (Turidae) und Krähenvögel (Corvidae). Weiterhin wurden Regenwürmer und verschiedene Arthropoda als Beute nachgewiesen.

 

Anders als der Schwarzmilan (Milvus migrans) ist der Rotmilan nicht an Wasser gebunden und kommt auch in Gebieten ohne Seen und Fließgewässer vor. Größere Waldgebiete werden von ihm meist gemieden, auch jagt er nicht in diesen. Durch ausdauernde Suchflüge über das Offenland, die durch einen energiesparenden Gleitflug, in geringer Höhe, über die Flächen gekennzeichnet sind, findet er seine Beute und gleitet in einem mehr oder weniger spitzem Winkel zur Erde und greift beim Darüberhinwegfliegen blitzschnell zu, ohne sich, wie z.B. der Mäusebussard (Buteo buteo) auf dem Boden niederzulassen. Durch diesen Gleitflug erfasst er einen sehr großen Ausschnitt seines Jagdrevieres (HILLE 1995, ORTLIEB 1995). Auch das Picken zu Fuß auf umgegrabenen Flächen oder Grünland wurde schon beobachtet. Hier wird dann meist nach Regenwürmern oder toten Tieren,   z. B. nach der Grünlandmahd gesucht. Anders als den Mäusebussard sieht man ihn nur selten erhöht auf Pfählen oder Ästen sitzend, nach Beute Ausschau haltend. Gelegentlich jagt er stattdessen anderen Greifvögeln Beute im Flug ab (HILLE 1995). Kleinere Beutetiere werden dann meist schon im Flug gekröpft (ORTLIEB 1995).

 

Brut und Jungenaufzucht

 

Der Großteil der Rotmilane beginnt in einem Alter von drei Jahren erstmalig zu brüten (AEBISCHER 2009). Es gibt jedoch auch Vögel die zeitiger oder im späteren Alter zu brüten beginnen. Rotmilanpaare, die nicht im Winter nach Süden ziehen, können diesen auch in der Nähe des Brutrevieres verbringen. Meist jedoch kommen die Milane im Frühjahr, ab Februar in die Reviere zurück und beginnen mit ihrem Partner ab März zu balzen. Ab frühestens Ende März, meist jedoch ab Anfang April beginnen die Weibchen dann zwei bis drei, selten vier Eier zu legen. Ein kühler März verzögert den Brutbeginn und fangen die Rotmilane früher zu brüten an, fliegen mehr Jungvögel aus (MAMMEN & STUBBE 1995). Die Intervalle zwischen dem Legen der einzelnen Eier können zwischen zwei bis vier Tagen liegen. Die Eier werden dann ca. 33 Tage vorwiegend vom Weibchen bebrütet (WALZ 2005). Das Männchen versorgt das Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung.

 

Die Nester der Rotmilane können sich in unterschiedlichen Baumarten, wie Buchen, Eichen, Kiefern u.a. befinden. Meist stehen diese in Waldrandnähe oder auch in Baumgruppen oder Einzelbäumen.

Während der letzten Phasen der Brut beginnen die Rotmilane teilweise, Beute im Nest zu sammeln (ORTLIEB 1995). Während der ersten Tage sind die Jungvögel gegen schlechte Witterungseinflüsse sehr anfällig, da sie ihre Temperatur nicht selbst aufrechterhalten können und werden in dieser Zeit ausgiebig vom Altvogel gehudert. Mit zunehmendem Alter der Jungvögel beginnt das Weibchen wieder zu jagen und entfernt sich zunehmend vom Nest.  Die Jungvögel bleiben ca. 51 (SCHEVE 1998, NACHTIGALL 2008) bis 55 Tage (WALZ 2005) im Nest, bevor sie ausfliegen . In der Zeit nach dem Ausflug, der sogenannten Bettelflugperiode, werden sie noch ca. 25 Tage von den Altvögeln gefüttert (WALZ 2005).

 

 

 

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